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Interview mit Erwin Linnenbach zum Thema Hörfunkvermarktung in Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, 2 September, 2021

Warum ist der Markt Nordrhein-Westfalen so wichtig?

Wenn man sich die europäischen Hörfunkmärkte anschaut, dann gibt es genau zwei, die nach Wirtschaftssprache noch nicht ausgereift sind: das ist Deutschland und – das ist klingt komisch – Nordrhein-Westfalen. Wir haben ja in Deutschland über das föderale System eine Radiostruktur, die lokal bzw. regional über die Bundesländer organisiert ist. Wir haben mehr oder weniger bisher keine nationalen Radioanbieter, keine nationalen Radiounternehmen, entsprechend keine nationalen Radiomarken und auch keinen richtigen nationalen Vermarkter, sondern zwei Genossenschaften, die sich den überragenden Teil der bisherigen Werbeausgaben im Radio aufteilen für ihre beteiligten Partnersender.

Ähnlich ist die Situation in Nordrhein-Westfalen. Das „sechstgrößte westeuropäische Land“ hat eine Privatradiostruktur, die es so nirgendwo mehr gibt. Jeder empfängt dort zur Zeit genau ein Privatradio über das sogenannte Zwei-Säulenmodell – es gibt damit nur eine private Auswahl. Wenn ich zum Beispiel in Bielefeld bin, kann ich bislang Radio Bielefeld empfangen – einmal abgesehen von einstrahlenden Sendern vielleicht. Aber nun bald sind über den regionalen DAB+ Mux in Nordrhein-Westfalen 16 neue Programme empfangbar. Mal abgesehen von den nationalen DAB+ Programmen, die natürlich in Nordrhein-Westfalen auch zu hören sind, entsteht jetzt endlich eine hochattraktive Möglichkeit und ein hochattraktives privates Angebot. Die Plätze sind vergeben und es wird auch schon bald losgehen mit diesem Programmbouqet, mit welchem der eben erwähnte Bielefelder zum Jahreswechsel aus dem eben erwähnten UKW Programm sowie 45 DAB+ Programmen wählen kann. Zudem wächst der Endgeräteverkauf sowie die Durchsetzung mit DAB+ Endgeräten in Deutschland rasant. Wir haben die EU-Verordnung seit Dezember 2021, nach welcher jedes Neufahrzeug über einen DAB+ Empfänger verfügen muss. Es wird zwar noch eine Zeit lang dauern, aber nicht mehr allzu lang, dann wird DAB auf Augenhöhe mit UKW sein, was die Nutzung angeht.

Und nun der allerwichtigste Punkt, denn es geht ja letztendlich um die Werbefinanzierung der Radioprogramme: In Nordrhein-Westfalen liegen nach allen Berechnungen seit vielen Jahren etwa 100 Millionen Euro Werbegeld brach, weil der Hörfunk dieses Inventar gar nicht anbieten kann – der Werbewirtschaft weder aus Nordrhein-Westfalen noch der deutschen Werbewirtschaft, die in Nordrhein-Westfalen Werbung machen will. Und diese 100 Millionen sind ein unglaublicher Anreiz, ein Riesenmarkt. Wie gesagt, so etwas findet man meines Erachtens in Europa sonst nirgendwo mehr.

Warum sind wir mit RAUDIO.BIZ auch vor Ort in Nordrhein-Westfalen?

Die TEUTOCAST mit ihren Radiosendern FEMOTION RADIO, dpd DRIVER’S RADIO und SPORTRADIO DEUTSCHLAND sowie mit ihrer Vermarktungsgesellschaft RAUDIO.BIZ ist angetreten, um in diese Potenziale sowohl auf dem deutschen Markt als auch auf dem eigenen Markt in Nordrhein-Westfalen einzutreten. Wir betrachten es quasi als ein ganz eigenes Land und deswegen gehen wir dahin. Gleichzeitig entsteht jetzt natürlich eine Blaupause: Wir können, so wie wir es national bereits vormachen, auch in Nordrhein-Westfalen mit Special Interest Programmen natürlich noch viel konkreter und viel genauer mit einem Landesbezug agieren. Deswegen gibt es auch SPORTRADIO NRW als ein Beispiel ausgekoppelt von SPORTRADIO DEUTSCHLAND.

Darüber hinaus wird unser Vermarkter, die RAUDIO.BIZ, eine eigene Struktur haben in Nordrhein-Westfalen. Wir werden dort mit einem eigenen Team agieren, mit einer eigenen RAUDIO.BIZ Unit, und haben natürlich die Chance, viele andere Anbieter, die in Nordrhein-Westfalen neu anfangen, als Vermarktungspartner für uns zu gewinnen, indem wir zeigen, was wir mit der RAUDIO.BIZ draufhaben. Unser Anspruch ist enorm hoch: Wir wollen der nationale RAUDIO Vermarkter werden und in Nordrhein-Westfalen natürlich der regionale – das geht mir bei NRW schwer über die Lippen bei rund 18 Millionen technisch erreichbaren Hörern in diesem Bundesland. Deswegen ist es uns so wahnsinnig wichtig. Wir sehen hier riesige Chancen, in diesem Landes-Markt Nordrhein-Westfalen vielleicht sogar noch schneller als im nationalen Markt Fuß zu fassen und die Zukunft von RAUDIO einzuläuten.

Was sind mögliche Partner und wo rechnen wir mit Wettbewerb?

Man hat natürlich mit neuen Wettbewerbern zu tun. Es treten hier schließlich 16 Programme an, hinzu kommen die national verbreiteten DAB+ Angebote. Und dann gibt es natürlich die etablierte Landschaft, die WDR Programme und eben die des Zwei-Säulenmodells mit einem Lokalsender pro Sendegebiet. Letztere haben eine etwas überraschende Eigentümerstruktur mit Betriebsgesellschaft und Veranstaltergesellschaften. Ich bin fest davon überzeugt, dass ebendiese nicht handlungsfähig sind und sich nicht verteidigen können, wenn jetzt Angriffe kommen. Die haben salopp gesagt viel zu viel „Schere im Kopf“–Probleme. Die maßgeblichen Eigentümer sind die ortsansässigen Zeitungsverlage, die natürlich große, etablierte, erfahrende Unternehmen sind, aber mit einem ganz klaren Hauptgeschäft – dem Verlagsgeschäft. Das Radiogeschäft ist lediglich ein Annex. Das hat man gerade in Nordrhein-Westfalen über viele Jahre ja auch gesehen: Die Programme sind nicht sehr flexibel und werden dies auch in Zukunft nicht sein können, weil die Entscheidung zwischen Betriebsgesellschaft und Veranstaltergesellschaften fallen auseinander.

Es ist meine feste Überzeugung, dass sich der Lokalfunk sehr schwer tun wird, seine Pfründe zu verteidigen gegen jetzt 45 einstrahlende oder neu gestaltete Programme, die zudem sehr kundenorientiert sein werden – das Establishment wird es schlicht sehr schwer haben. Und genau deswegen sind die Chancen so groß für alle, die in NRW neu antreten und damit auch für uns sowie natürlich auch für die Kollegen, mit denen wir da in Wettstreit oder auch in Partnerschaft kommen werden. Das werden wir ja sehen.

Die DAB+ Plattform für NRW wird ja im Oktober starten und Richtung Ende des Jahres wahrscheinlich auch die überragende Mehrzahl der neuen Programme – im Übrigen auch unsere eigenen Programme etwa zu dieser Zeit. Jetzt werden wir die nächsten Wochen nutzen, um unsere eigene RAUDIO.BIZ Vertriebs-Unit in Nordrhein-Westfalen, die RAUDIO.BIZ NRW, aufzubauen. Unser Team wird dort natürlich unsere beiden Regionalprogramme für NRW vermarkten und die drei bekannten nationalen Angebote. Damit verfügen sie schon heute über fünf Produkte im Portfolio, wenn sie an den Markt in Nordrhein-Westfalen herantreten.

Parallel laufen jetzt viele Gespräche mit den Kollegen, die dort ebenfalls neu senden werden. Alle erhalten natürlich unsere Angebote, sie mit zu vermarkten – ob als gemeinsame Kombination oder in Einzelvermarktung und natürlich auch über die bestehende nationale Vermarktung durch unser über ganz Deutschland verteilt arbeitendes Vertriebsteam. Es sitzen ja nicht alle Werbetreibenden in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in den anderen 15 Bundesländern. Bislang gab es nun einmal kein landesweites Privatradio in Nordrhein-Westfalen, jetzt gibt es da ganz viele, die auch an den nationalen Markt wollen. Und durch ebendiese neue landesweite Verbreitung in NRW sind die entsprechenden Programme auch endlich interessant für nationale Vermarktungspartner.

Unsere nationale und regionale Vermarktungspower, die wir gerade aufbauen, teilweise schon aufgebaut haben, werden wir vom ersten Tag an an den Start bringen.


Hier gibt es das Interview mit Erwin Linnenbach zum Nachhören: